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Kurzer aktueller Nachtrag: Chöre dürfen wieder!

Beschluss der bayer. Kabinettssitzung vom 16.6.20:

"Der Chorgesang im Bereich der Laienmusik wird ab 22. Juni 2020 wieder zugelassen. Voraussetzung ist ein Mindestabstand der Beteiligten von 2 m, regelmäßige Lüftungsintervalle und eine Begrenzung der Probendauer. Das Wissenschaftsministerium wird in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium ein entsprechendes Hygienekonzept entwickeln und veröffentlichen."

https://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-vom-16-juni-2020/

(Vielleicht hat ja unser aller Aufschrei doch was gebracht 😉 – siehe unten)

 

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Gesangsverbot

Gesangsverbot: Die unzufriedene Stimmung macht sich Luft – Die Basis verschafft sich Gehör

Ein Vierteljahr nach dem Lockdown der Bayerischen Staatsregierung sollte der Beschluss des Ministerrats vom 26. Mai zur begrenzten Wiederaufnahme des Theater-, Konzert- und „weiteren kulturellen Veranstaltungsbetriebs“ ab dem 15. Juni 2020 unter Schutzauflagen Hoffnungen erwecken, dass auch Sänger*innen ihre physisch gemeinsamen Proben- und Konzertaktivitäten wieder aufnehmen dürften. Am 4. Juni schickten die Staatsminister Melanie Huml, Bernd Sibler und Florian Herrmann den Ministerialdirektor Dr. Winfried Herrmann per Mail zur Konkretisierung vor. Darin wurde der Instrumentalmusik noch ein einwöchiges Vorziehen der Probentätigkeit eingeräumt. Der Hammer folgte aber im Schlusssatz: „Wegen der erhöhten Infektionsgefahr, die mit lautem Gesang verbunden ist, gilt diese ausnahmsweise Regelung nicht für Chöre und sonstige Gesangsgruppen“. (Siehe auch "Bayerisches Ministerialblatt" – Nr. 334 / §20 Abs. 2, Satz 1: "... Chorgesang im Bereich der Laienmusik ist unzulässig ...")

Am 13. Juni erschien in der Ebersberger Zeitung ein umfangreicher Artikel, der die Protestnoten des Bayerischen Musikrats und der vier großen Bayerischen Chorverbände zum Inhalt hatte und auch die Stimmung von Chören auf der „Ost-West-Achse“ des Chorverbands Region Münchener Osten wiedergab: https://www.merkur.de/lokales/ebersberg/ebersberg-bayern-weil-sie-nicht-singen-duerfen-chorsaenger-stinksauer-13795783.html

Nachstehend sind die Beiträge aus den Chören im Wortlaut aufgelistet. Sie zeigen den natürlich unvollständigen Querschnitt der Stimmungen von über 600 Sänger*innen im Lande, dem Zustand der Chöre und die Hoffnung, dass es mit dem Singen in der Gemeinschaft irgendwann aber möglichst bald weitergeht. Die Gefahren lauern am Horizont.

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Gefühlt uneinheitliche Vorgehensweise nicht befriedigend

Es ist aktuell einfach schwierig und eine bis jetzt Gott sei Dank einmalige Situation in der Geschichte des Chores. Auf der einen Seite möchte man sich die über Wochen und fast Monate erarbeitete Vernunft und Umsicht nicht leichtfertig kaputt machen und auch auf die Sänger acht geben. Auf der anderen Seite ist die gefühlt uneinheitliche Vorgehensweise nicht befriedigend. So scheinen ja Proben in Teilen Deutschland für Kirchenchöre unter bestimmten Voraussetzungen möglich zu sein, auch wenn die Regeln nicht gerade einladend wirken.
Aber ja, sind wir froh, daß alle Sänger bei uns das notwendige Verständnis zeigen und wir uns auf die schöneren Zeiten freuen. Wir werden das Jahr 2020 definitiv noch lange in Erinnerung behalten.

Gabor Fischer, Männerchor Kirchseeon, Vorstand

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Riesenpause wird sich nicht negativ auswirken

Wir hatten seit Anfang Januar für das Sommerkonzert geprobt, das am 17. Juli 2020 stattfinden sollte. Nun hörte man seit Ende Februar immer mehr Berichte und Nachrichten über Erkrankungen durch den Coronavirus. Schon vor dem offiziellen Verbot und den Ausgangsbeschränkungen durch unsere Staatsregierung bekam ich Bedenken hinsichtlich des Chorgesanges bzw. der Proben auf engem Raum. Meine Bedenken wurden nicht von allen geteilt, Corona wurde anfänglich auch von offizieller Seite mehr mit einer Grippe verglichen. Allerdings durften wir dann ab der 12. KW 2020 nicht mehr proben und ich war letztendlich froh darüber. Ich fühle mich als Vorsitzende für die Gesundheit der Sängerinnen und Sänger verantwortlich, viele von uns gehören der Risikogruppe an. Unser Sommerkonzert und auch unseren zweitägigen Chorausflug haben wir abgesagt. Ob und wie es im Herbst weitergeht und ob unser alljährliches Adventskonzert stattfinden kann, wissen wir nicht. Ich vermute, dass es nicht möglich sein wird. Es gibt noch kein
Medikament und keinen Impfstoff gegen den Virus. Selbst wenn wir mit Sicherheitsabstand wieder proben dürften, können wir nicht mit Abstand ein Konzert singen. Ich persönlich hoffe auf nächstes Jahr. Wir sind mit unserer Chorleiterin Theresia Rothenaicher eine gute Chorgemeinschaft und ich bin der festen Überzeugung, dass auch eine so lange Pause und Trennung unserem Chor nicht sehr viel anhaben kann. Sicher fehlt allen Chormitgliedern und unserer Chorleiterin die wöchentliche Probe und die durch den Gesang verbindende Gemeinsamkeit, aber es lässt sich nun leider nicht ändern. Die Gesundheit geht vor.

Maria Grabmeier, Liedertafel Grafing von 1857

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Verzicht auf in Jahrzehnten Gewohntes

Seit drei Monaten können wir nicht mehr gemeinsam singen, und keine Änderung ist in Sicht! Das ist bitter. Ich finde, dass allein singen im Gegensatz zum allein Instrumente spielen nicht geht. Ich komme mir verloren vor, es klingt kümmerlich, die anderen Stimmen fehlen mir. Die Folge: meine Stimme rostet allmählich ein.
Genauso wichtig wie das Singen ist für mich die Gemeinschaft, die schon seit Jahrzehnten besteht und auf die ich jetzt schon so lange verzichten muss. Wir tauschen uns aus, wir lachen, wir teilen unser Leben. Jetzt im Sommer wäre unser Chorfest, zu dem wir alle beitragen um ausgelassen feiern zu können.
Am meisten bedaure ich unsere Chorleiterin, die den Chor vor 35 Jahren ins Leben gerufen hat und für die der Chor ein besonderes Herzensanliegen ist. Sie versorgt uns zwar jeden Montag rechtzeitig zur „virtuellen Probe“ mit Singmaterial (Noten, Hinweisen, Links auf Youtube) und sucht immer wieder neue Möglichkeiten des Miteinander (z.B. mit einem Video zum Einsingen), aber sie sorgt sich schon sehr um unsere Zukunft, wenn weiterhin die Proben wegbrechen. Man muss auch dazu sagen, dass wir schon ein Konzert im Mai absagen mussten, was jetzt auf September verschoben wurde, aber ob das stattfinden kann, wenn wir fast nicht proben können?
Also insgesamt ein trauriger, nur zweidimensionaler Zustand für unser Chorleben! Hoffentlich können wir uns bald wieder treffen, vielleicht zunächst in kleinen Gruppen, z.B. jeweils die einzelnen Stimmen.

Eva von Heese, Wasserburger Bach-Chor, „gemeine“ Altstimme

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Kein Chorgesang seit drei Monaten

Seit in einigen Fällen Chöre oder Kirchengesang als „Brandbeschleuniger für die Verbreitung von Covid-19“ ausgemacht wurden, liegt der Chorgesang darnieder. Sprechübungen mit “k!p!t!“ und eine deutliche Aussprache beim Singen produzieren Aerosole die das Virus, laut Virologen, im Sprühverfahren verbreiten. Für den Wasserburger Bach-Chor ist das lang ersehnte Jubiläumskonzert, das heuer zum 35jährigen Chorjubiläum mit der Innphilharmonie am 10. Mai erstmals imRosenheimer Kuko hätte stattfinden sollen, ausgefallen.
Software gestützte Plattformen zum Üben nutzt zwar auch der Wasserburger Bach-Chor, aber abgesehen von dem Zusammengehörigkeitsgefühl, sich am Montagabend zur üblichen Zeit vor dem pc mit den anderen Chormitgliedern verbunden zu wissen, ist es kein Ersatz für eine Chorprobe. Chorsänger*innen müssen im Kreis ihrer Stimme sitzen, darin baden, sich gegenseitig, und einander, sowie aufeinander hören, der vielstimmige Gesang schüttet die Glückshormone aus. Das ist weder virtuell, noch im Probenraum, mit einer Distanz von einem Meter oder mehr zum Mitsänger, für 60 Personen herzustellen.
Wenn wenigstens Hoffnung bestünde, dass nach der Sommerpause die Proben für die Weihnachtskonzerte mit mehr Freude und Eifer denn je wieder aufgenommen werden können -– aber bisher herrscht dazu Schweigen seitens der Fachleute. Es sieht so aus, als wären die vielen Chöre im Land die Allerletzten, die sich zur Pflege Ihres geliebten Hobbies wieder treffen dürfen. Das macht ratlos und traurig.

Roswitha Betz-Heindl, Altstimme Wasserburger Bach-Chor

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Die Chorszene wird sich in der Zukunft drastisch verändern

Für viele Leute ist das Chorsingen nicht nur Musik, sondern auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Gerade daher schmerzt die Zwangspause sehr. Leider zeigt sich in der Coronakrise wie wenig in der Politik die Rolle der Kultur in unserer Gesellschaft geachtet wird: Künstler werden zunächst bei der Verteilung von finanziellen Unterstützungen „vergessen“, Musikunterricht wird im Homeschooling vielerorts einfach gestrichen und Chöre kämpfen verzweifelt virtuell um den Zusammenhalt ohne wirkliche Perspektive. Täglich erscheinen neue Untersuchungen wie gefährlich oder aber überschätzt die Ansteckungsgefahr beim Singen ist, welche die Unsicherheiten zusätzlich schüren. Chöre brauchen gerade einen langen Atem und eine große Frustrationstoleranz. Vermutlich wird sich auch die ganze Chorszene in der Zukunft drastisch ändern: Angefangen von den Probebedingungen (Singen mit viel Abstand und Maske macht wenig Spaß), der Größe der Chorzusammensetzung, verbunden damit die Art des Programms, sowie die Größe des Konzertraums/Anzahl des Konzertpublikums (was sich atmosphärisch bemerkbar machen wird), bis hin zum damit verbundenen finanziellen Überleben. Jeder Chorleiter sorgt sich bei diesen Aussichten darum, ob der Chor weiterhin Bestand haben wird. Trotz allem üben wir uns aber in Geduld – die Gesundheit meiner SängerInnen hat schließlich Vorrang.

Kathrin Schiele Kiehn, Rondo Vocale Vaterstetten, Chorleiterin

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Weniger Infektionen, dafür aber viele „kranke Seelen“

BSB und die anderen drei großen Verbände haben gemeinsam gute Arbeit geleistet. Bis vor kurzem war nichts veröffentlicht und das sorgte für Unruhe und Unklarheit, da der 15.06.ja durch die Medien "spukte". Gabor Fischer und ich waren uns von Anfang an unserer Verantwortung – gerade für die älteren Sänger – bewusst und haben sehr zeitnah den Probenbetrieb im MCK eingestellt (war auch gut so!), unsere letzte Probe war am 10.03.
Nun stellen wir alle fest, dass das Infektionsgeschehen sinkt und jeder macht sich Gedanken und hofft, dass auch die Chormusik langsam wieder starten kann. Man hört hier und da, was wieder möglich wird – dann war es schon ein "Dämpfer", dass das Singen auch jetzt b.a.w. nicht möglich ist, da es so "gefährlich" ist. Kann mich an zahlreiche Zeitungsartikel der vergangenen Jahre erinnern, wie gesund Singen, gerade für Seele und Geist ist -– keiner hat dabei von einer erhöhten Infektionsgefahr in der Erkältungszeit gesprochen – genau das ist der Punkt der sich für mich "Nichtmediziner" aktuell nicht nachvollziehen lässt. Vermutlich gibt es zukünftig keine Infektionen, dafür aber viele "krankeSeelen“.
Wir alle müssen unseren Anteil leisten, dass die Ansteckung gering bleibt, sprich auch für Chorproben brauchen wir derzeit Hygienekonzepte, dies ist mir alles klar. Auch aus den Reihen unserer Sänger kommt dafür zum Großteil Verständnis und jeder freut sich im persönlichen über die derzeit wieder möglich werdenden Aktivitäten – doch die Probe, die Begegnung, der Austausch, der Besuch am Stammtisch nach der Proben werden vermisst.
Die in Bayern so geschätzte und auch vielseitig unterstützte Vereinsarbeit ruht derzeit komplett, sämtliche Veranstaltungen/Konzerte egal welcher Gruppierungen werden so schnell nicht möglich und wenn möglich, dann nicht wirtschaftlich sein. Uns vom MCK bleibt derzeit nicht mehr übrig, wie unsere Sänger "bei Laune" zu halten und zu hoffen, dass wenn Chorproben erlaubt werden, die Sänger zur Freude an Ihrem Hobby – dem Chorgesang – zurückfinden.

Michael Riedel, Männerchor Kirchseeon, Chorleiter

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Chorarbeit unter diesen Bedingungen illusorisch

Ich bedaure es sehr, dass weiterhin keine Chorproben möglich sind. Mir und meinen Sängerinnen fehlt das gemeinsame Singen und Proben enorm; es ist, als ob etwas Wesentliches im Leben fehlt, das einen hebt und trägt. Aber: Angesichts der Probleme, die offensichtlich durch die sich verbreitenden Aerosole entstehen, finde ich es richtig, dass wir nicht in geschlossenen Räumen proben dürfen – noch dazu, wo der Großteil meiner Chormitglieder zur Risikogruppe gehört. Ich würde es mir nicht verzeihen, wenn eine oder mehrere unserer Damen als Folge einer Zusammenkunft krank würden. Und mit fünf oder sechs Metern Abstand und Atemmaske halte ich eine Chorprobe mit 30 Leuten für illusorisch.Wir werden abwarten müssen, bis sich die Lage weiter entspannt.

Ursula Roth, Sänger-und Orchester-Verein Ebersberg von 1842. Chorleiterin

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Kopf hoch und Geduld

Natürlich ist es bitter für uns alle, wenn wir ausgerechnet auf Chorgesang verzichten sollen, aber ich glaube nicht, dass Willkür hinter dieser Maßnahme steckt. Das Virus ist und bleibt gefährlich für uns alle, so traurig diese Tatsache auch ist. Deshalb: Kopf hoch und Geduld – es werden hoffentlich wieder bessere Zeiten kommen, die wir dann umso mehr genießen können.

Theresia Rothenaicher, Liedertafel Grafing, Chorleiterin

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Gedanken am Montagabend

Wieder ein Montagabend – eigentlich ist mein Platz um diese Zeit (19:30 bis 21:30 Uhr) immer in einem Saal, zusammen mit ca. 50 Leuten, die alle dasselbe wollen: singen, gemeinsam singen, proben für ein Konzert, sich freuen darauf. Aber dies ist der 13. Montagabend in diesem Jahr in Folge, wo das nicht so ist. Nun ja – da muss man halt vernünftig sein, man muss und will sich und andere schützen, wer möchte schon mit einer Beatmungsmaschine Bekanntschaft machen? Ja wie? Heißt das, dass es das war mit unserem Chor – für lange Zeit? Denn solange es keine Impfung und keine Medikamente gegen Covid-19 gibt … und das wird noch dauern … kein Gesang zusammen mit anderen. Da muss man jetzt ganz tapfer sein. Ja – ich weiß – die bösen Aerosole, die wir in Hülle (Mundschutz!) und Fülle produzieren, da kann man eben nichts machen. Und der erforderliche Abstand? Zirka 50 Sänger so verteilt, dass jeweils zwei Meter zwischen ihnen liegen. Warum nicht auf dem Sportplatz proben? Haha – und außerdem – Chorgesang ist der vielleicht systemrelevant? Was ist da Schützenswertes dran? Der hat doch wirtschaftlich keine Bedeutung, die paar Kröten für die Chorleiterin vielleicht und der Genuss von Getränken nach der Chorprobe – ja, der Wirt wird uns wohl schon vermissen. Wir Sänger singen ja – quasi – um Gottes Lohn, wenn wir aber ein Orchester brauchen, da wird es kritisch für einige. Kein Konzert, kein Eintritt, keine Bezahlung. Vielleicht gibt es immerhin einige Menschen, die schon darauf warten, wieder Eintrittskarten für unsere Konzerte bezahlen zu dürfen? Weil es ihnen nämlich Freude macht, uns zuzuhören – so wie es uns Freude machen würde, für sie zu singen. Ja – Moment mal – Freude zu haben und Freude zu machen, das soll doch gesund sein, das soll glücklich machen, das soll helfen, gesund zu bleiben. Sind wir also doch systemrelevant? Los, los – wann ist die nächste Probe!! Wir sollten schon längst wieder begonnen haben ... Die Hoffnung stirbt zuletzt ...

Dorothee Scheuerl, Wasserburger Bach-Chor, langjährige Chorsängerin

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Chorsingen in Corona-Zeiten

Viele Jahre lang hieß es jeden Montag: Heute ist Chorprobe. Dann plötzlich im März: Wir müssen vorerst eine Pause machen, wegen des „neuartigen Virus“. Ja gut, dann ist jetzt Pause, und irgendwann geht es wieder weiter.Dann aber erst so richtig und mit neuem Schwung!
Nach mehreren Wochen kommen die Fragen: Was ist mit dem Konzert im Mai? Vermutlich zu früh. Und das internationale Treffen der Bach-Chöre in Leipzig im Juni? Vielleicht doch eine Chance. Aber das Konzert im September doch eher schon? Und das Weihnachtsoratorium Ende Dezember ganz sicher! Oder?
Dann wird das Ganze langsam irgendwie lähmend: Das Virus hat uns im Griff: Ja, wir gehen weiter zum Einkaufen, zwar mit Maske, machen auch wieder Ausflüge, treffen sogar Verwandte – mit Abstand, aber irgendwo sind wir allein, auch mit Familie. Die Sängerin und der Sänger vermissen am Montag die Fahrt zur Probe, das fröhliche Zusammentreffen mit all den Anderen im Probenraum. Sie vermissen vor allem die vielen schönen Momente beim Singen, wenn sich der vielstimmige Wohlklang aufbaut, der Chor in weichem Piano oder donnerndem Forte „sotto voce“ singt – dem Himmel ein kleines Stück näher. Auch der kurze Ratsch nach der Probeoder die Einkehr beim Italiener fehlt uns allen sehr!
Was tun in dieser Situation? Es dürften nur ganz wenige sein, denen es gelingt, sich in die „radikale Akzeptanz“ (Eckhart von Hirschhausen) zu begeben und zu sagen: Hilft ja eh nichts, also denke ich möglichst nicht daran, irgendwann wird alles wieder so, wie es war. Aber die Mehrheit beobachtet, wie die Biergärten, die Gasthäuser, jetzt auch die Schwimmbäder öffnen dürfen. Neuerdings können auch Instrumentalisten wieder proben, die Streicher mit Mundschutz, die Bläser auf der großen Wiese. Nur beim Chorsingen heißt es immer wieder: „Das gefährlichste Hobby der Welt“ – solange Corona nicht verschwunden ist. Es ist tatsächlich so, dass ausgerechnet beim Singen die Aerosole sich am weitesten ausbreiten, sogar mit Mund-und Nasenschutz.
Es gibt auch Versuche mit irgendwelchen Hilfsmitteln. Chorsingen am PC im stillen Kämmerlein – technisch sehr schwierig, da überhaupt einen Chorklang zu vernehmen. Und frustrierend, weil ja das Wichtigste fehlt: das „analoge“ Klangerlebnis im Probenraum, das wir mit allen (!) Sinnen erleben und genießen. Und dann, genauso wichtig: das Agieren in der Gemeinschaft, wieder als sinnlichesErlebnis.
Meiner Meinung nach bleibt uns Sängerinnen und Sängern nur ein Ausweg aus diesem Dilemma. Wir sollten uns abfinden mit der Zwangspause und froh sein, dass es sicher nur eine zeitlich begrenzte Unterbrechung sein wird. Wir können uns im Rückblick erfreuen an dem, was wir bisher erreicht haben, da gibt es viele schöne Konzert-Mitschnitte. Und es heißt, dass die Vorfreude die schönste Freude sei – auf erneutes gemeinsames Singen, wenn alles wieder „passt“. Bis dahin aber bitte keine Experimente!
Übrigens ist ja der Gesang nicht aus unserem täglichen Leben verschwunden: Es kann Zufall sein, aber ausgerechnet in diesem Sommer ist das Gezwitscher der Vögel in unserem Garten besonders schön und vielstimmig.

Waltraud Schuhbeck., Wasserburger Bach-Chor, Altstimme und Kassenwartin

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Hilferuf eines Tenoristen

Ich will wieder im Chor singen, über die schrillen Soprane meckern, die Stoischen Bässe loben, die zu tiefen Altistinnen bedauern und uns Tenöre … ja da fällt mir nix ein, ausser, dass alles passt, so wie immer. Die Corona-Auflagen und Gebote haben uns voll im Griff, nach jetzigem Stand keine Möglichkeit, unserer Leidenschaft nachzukommen.Eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Man wird, vor allem die Frau, immer unausgeglichener, ruheloser, auch gereizter, da das Ventil der Musik fehlt, bei uns natürlich der Chorgesang. Unsere Chorleiterin Angelica ist zwar sehr bemüht, uns Abwechslung zu bieten, durch Gesangsübungen, Stimmproben in Livechats und anderen tollen Ideen. Aber alleine, das ist es halt nicht.
Alle Konzerttermine wurden und werden zwangsläufig abgesagt oder verschoben.Und die viel gepriesene Hoffnung, die lässt auf sich warten.
Klar, Sicherheitsbestimmungen sollen eingehalten werden, aber mit sinnvollen Lockerungen und eigenverantwortlichen Umgang dieser Situation sollte es doch möglich sein, Proben in kleineren Gruppen, wie bei Theater oder Kino, Kapellen oder kleine Orchester, abzuhalten.
Es heißt ja nicht umsonst, Musik, im Speziellen der Gesang und im Chor fördert das Immunsystem, die Psyche, das Gemeinschaftsdenken, generell das Soziale, somit die Gesundheit und das Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen.
Faktoren, bei denen ich es mir als Covid19 schon überlege, ob ich mich da heran traue.Also, ich will, so wie viele Andere wiedergemeinschaftlich singen,Lebensfreude zurück gewinnen und zeigen.
Ich habe gesprochen, durch Mundschutz und Abstand.

Klaus-Peter Schwab, Wasserburger Bach-Chor, Tenorstimme

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Zusammengestellt von Wilfried Gillmeister

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